Erlebnisbericht Silas

Jan. 2026
Sam und ich im SchweinestallSam und ich im Schweinestall

Die Anreise

Das Abenteuer ging direkt in Stuttgart los, als sich mein ICE um mehr als 1:50h verspätete, sodass mich meine Eltern schließlich mit dem Auto nach München fahren mussten. Beim Aussteigen aus dem Flieger verstand ich langsam, dass das, was ich vor knapp 12 Jahren Gabriel versprochen hatte und was ich 6 Monate geplant hatte, nun tatsächlich Realität war. Ich war in Uganda! Gabriel holte mich selber auf dem Flughafen ab. Es war ungewohnt und doch bekannt. So anders und so viele neue Eindrücke, dass ich völlig überfordert war. Während der Autofahrt nach Luwero war ich einfach nur begeistert von dem, wie es dort ist. So ein anderes Grün und so viele exotische Pflanzen zu sehen war wunderbar. Ich habe die ganze Fahrt lang gestaunt. Aber auch die ersten Unterschiede zu sehen zwischen dem wie ich es gewohnt bin und wie anders, aber doch ähnlich man leben kann und natürlich die interessante Verkehrsordnung! Nach einem nächtlichen Einkauf auf dem Markt, waren wir dann um 21 Uhr endlich da. Angekommen in Kiryanyonza wurde ich von Gabriels Frau und Kindern herzlich begrüßt. Ich war überrascht und begeistert, mit wie viel Freude ich empfangen wurde und wie herzlich ich als fast vollkommen Fremder willkommen geheißen wurde. Zum Abendessen gab es recht einfach Reis, Erbsen und Bohnen, also ein wunderbares Vesper.

Ankunft

Nach einer langen Nacht fing mein Besuch direkt mit einem Sonntag an und somit auch mit einem Gottesdienst. Dass Bischoff Gabriel als Prediger für den Gottesdienst dafür auch mal 30 Minuten zu spät kommen kann, weil er noch mit mir, seinem Gast, gefrühstückt hat, war gar kein Problem, für mich aber dennoch sehr komisch. Beim Gottesdienst durfte ich dann ein paar Grußworte ausrichten. Ich versuchte dabei das Luganda anzuwenden, das mir Gabriel auf der Heimfahrt am Vortag beigebracht hatte. Beim Gottesdienst wurde Gabriels Predigt für mich übersetzt, das freute mich sehr. Am Nachmittag gab mir Gabriel eine Führung übers Gelände, was es alles gibt, wo was ist und ich hatte Zeit für mich, um das Ankommen noch ein bisschen weiter zu verarbeiten. An meinem ersten Arbeitstag verbrachte ich viel Zeit mit meinem damals neuen Freund Sam. Er macht dort so ziemlich alles, was es zu tun gibt und ist für die Technik in der Kirche verantwortlich. Nach ein paar kleineren Aufgaben unterhielten wir uns über Musik und er gab mir eine Gitarre für die ganze Zeit. Das freute mich sehr, weil ich damit in meinem Zimmer selber Lobpreis machen konnte, wann immer ich wollte und in einer Sprache, die ich auch verstehe. Für mich auch sehr neu war, dass ich als Gast zusammen mit Gabriel und Deborah am Mittagstisch saß, während Sam und die Kinder nebenan in der Küche aßen.

Meine Aufgaben

Zuerst strich ich mit Gabriel ein paar Stämme, um sie vor Wetter und Insekten zu schützen. Den Hauptteil der ersten Woche pflanzten Sam und ich im Pausenhof der Grundschule, (die hier bis zur 7. Klasse geht) unter den Bäumen Gras, damit es dort schöner wird. In den Pausen schauten mir meistens ca. 20 Kinder zu, die sich dabei sehr amüsierten, wie ich arbeite und was ich tue. Dabei konnte ich auch mit einigen Lehrern sprechen, die alle dort Vollzeit wohnen und lernte immer mehr die Kultur und die Leute verstehen. Dass man bei über 2 Stunden Starkregen einfach nicht schafft, war ungewohnt, aber angenehm und eine super Zeit, um meine Gitarre mit Liedern einzuweihen.

Unser selbstangefertigtes Stuhlset aus Holz und Reifen für die Kinder

Mit Sam sprühte ich die Tiere gegen Insekten ein und mistete die Ställe, wir setzten Zaunpfosten oder ich half bei der Gartenpflege. An anderen Tagen malerten wir hauptsächlich: Ob Schaukel oder Karussell, Fußballtor oder Wetterstation, alles wurde neu gestrichen. Danach gab uns Gabriel die Aufgabe aus alten Reifen und Holzlatten Stühle zu bauen. Bei all dem hatte ich viel Zeit mit Sam zu reden und das ugandische Denken und Handeln, vor allem aber meinen neuen Freund viel besser kennenzulernen. Auch in der Schule wurde ich eingesetzt. Einmal stellte ich meine Pfadfindergruppe die Royal Rangers zwei Schulklassen vor und brachte den Schülern ein Spiel bei. Obwohl ich es nicht so gut erklären konnte, hatten die Kinder großen Spaß dabei. Als ich in der 3. Woche dann das zweite Mal meinen „Ranger Stammtreff“ machen sollte, dieses Mal mit ca. 140 Kindern, hatte ich eine deutlich bessere Vorstellung davon, was funktionieren würde. Die Kinder sangen begeistert mit, auch bei dem deutschen Lied "Gott ist so gut" lernten sie den Text bestens. Die Spielzeit war zwar etwas durcheinander, aber die Kinder hatten Spaß und ich konnte am Ende sogar noch eine Andacht über Matthäus 7,12 halten.

Malerarbeiten mit Sam

Gemeinde

Fast wie Zuhause gab es jeden Mittwoch eine Bibelstunde in der Kirche. Um 10 Uhr lief ich schon fast panisch los, bis mir Gabriel noch in Arbeitsklamotten entgegenkam und mich fragte, warum ich so hetzen würde. Zum Ende der Bibelstunde durfte jeder das teilen, was er in der Bibelstunde gelernt hatte, womit man das Gleiche nochmals aus anderen Blickwinkeln hörte, was ich super fand. Am einem Sonntag fuhren wir nach dem Gottesdienst zum 60. Geburtstag von Pastor Luzinda Moses. Beim Geburtstag waren nur ca. 100 Leute, für dortige Verhältnisse scheinbar eine recht kleine Feier und dank Sam neben mir war es wirklich schön, dass ich dabei sein durfte.

Ausflug zum Schneider

Ganz besonders war auch ohne Zweifel der Ausflug nach Luwero zum Schneider, hinten auf einem BodaBoda (Motorrad). Da Gabriel an dem Tag auf einer Beerdigung war, machte ich den Ausflug mit Sam. Als der Schneider schließlich fertig war, brachte mich der Bischoff höchstpersönlich nach Luwero. Bei der Anprobe bemerkte ich, dass ich aus Versehen zwei Anzüge bestellt hatte und war mehr als glücklich mit dem Ergebnis des Schneiders. Ich konnte es die ganze Heimfahrt und den Abend nicht wirklich fassen und musste einfach nur grinsen. Feierlich zum Sonntag konnte ich meinen Anzug dann einweihen. Gegen Ende der zweiten Woche fühlte ich mich schon richtig wohl. Ich kannte die Leute dort deutlich besser, hatte in Sam einen wunderbaren Freund gefunden, hatte im Gegensatz zum Anfang der Woche meinen Frieden damit gefunden, dass nicht alles beim ersten Versuch wie gewünscht funktioniert und hatte täglich eine sehr gute abendliche Zeit beim Lesen meines Buches und meiner Bibel. Es war wirklich herrlich!

Die Schotten kommen

In meiner dritten Woche kam ein 5 köpfiges Team aus Schottland hinzu. Ich durfte den Briten bei ihren Schulprogrammen helfen. Neben einem sportlichen Wettkampftag gaben wir den Kindern hauptsächlich das Evangelium weiter, mit dem Fokus auf unsere einzigartige Erschaffung und Jesu‘ Liebe für jeden Einzelnen. Dazu malten die Kinder aus ihren Handumrissen verschiedene Tiere. In einer anonymen Fragerunde durften die Kinder auf Zettel alle Fragen an uns richten, die sie hatten. Dabei ging es in meiner Gruppe vom Fußball zur Wahl des richtigen Ehepartners, wobei ich spätestens bei dieser Frage sehr froh war Mark, einen etwas älteren, verheirateten Mann neben mir zu haben.

Ausflug zur Farm

Am Samstag machte Gabriel dann mit allen Gästen und Sam einen Tagesausflug zur Farm. Auf der Fahrt dorthin konnten wir noch viel mehr von der wunderschönen ugandischen Natur sehen. Gabriel zeigte uns alles, was dort in der letzten Zeit Neues entstanden war und sprach auch über seine Pläne für die Zukunft. Von den knapp 100 Hektar wurden bisher rund 16 mit z.B. Bohnen bebaut und kontinuierlich wird weiterer Boden erschlossen, um mehr anbauen zu können. Außerdem zeigte er uns die großen Wasserbecken, die später teils zur Fischzucht, teils zur Bewässerung genutzt werden sollen.

Silas beim Pflanzen

Ausflug zum Äquator

Schon um 5 Uhr morgens machten wir uns mit Gabriel auf den Weg zum Äquator. Nach drei Stunden Fahrt frühstückten wir dort. Für mich gab es Rolex (rolled eggs) - sehr lecker und wunderschöne Fotos vom Äquator. Nach weiteren 6 Stunden Fahrt kamen wir nach Jinja. Dort beginnt der Nil, der aus dem Victoriasee fließt. Auch dort machten wir viele wunderbare Bilder und Videoaufnahmen, teilweise sogar mit einer Fußspitze im Nil. Anschließend konnten wir in einer Marktstraße Geschenke für Zuhause einkaufen und ich war begeistert, was es dort alles Wunderbares gab. Ich kaufte mir ein selbstgemaltes Bild einer afrikanischen Landschaft. Ein paar Straßen weiter konnten wir in einem Hotel/Restaurant einen der schönsten Sonnenuntergänge mit ansehen, den ich je gesehen habe. Dazu war das Essen wirklich sehr gut und vor allem hatten wir eine so super Gemeinschaft, es war ein wirklich gesegneter Abend, für den ich mehr als dankbar bin. Da es nun auch schon wieder Nacht war und wir nicht wollten, dass Gabriel am Steuer einschläft, sangen wir die ganze knapp 3 stündige Heimreise über. Wir begannen mit Lobpreisliedern, gingen über zu englischen Volksliedern und schließlich versuchten Gabriel und ich den Schotten Lieder in lugandisch und in deutsch beizubringen bis es irgendwann fast mehr im Lachen als Singen endete. Ob das an der Müdigkeit, der teilweise überaus buckeligen Straße oder nur einer wunderbaren Gemeinschaft aus Leuten, die sich mögen lag, bleibt schwer zu sagen. Es war jedoch mein persönlich liebstes Erlebnis der ganzen Zeit. Bei einem kleinen Zwischenstopp auf dem Markt wurde mir die Verantwortung über eine Tüte mit 40 Eiern gegeben. Den Umständen entsprechend, war ich zufrieden, dass nur knapp 10 davon Schaden erlitten. Und nach fast 17,5 Stunden Fahrt kamen wir ohne große Zwischenfälle und mit nur einer kurzen Polizeikontrolle wohlbehalten wieder gut daheim an.

Spätze kochen über dem offenen Feuer

Mein letzter Tag

An meinem letzten Tag dankte die Grundschule mir mit einer kleinen Aufführung. Beim Tanz durften wir nach dem Zugucken auch selber mittanzen, allerdings ohne großen Erfolg. Anschließend fuhr ich mit Sam auf dem Boda-Boda nach Luweero, um für das Abendessen einzukaufen. Ich sollte etwas Typisches für Deutschland kochen und entschied mich deshalb für eine Flädlesuppe gefolgt von Linsen und Spätzle. Während ich die Flädle backte, fertigte mir Sam extra ein Spätzlesbrett an. Dass das Kochen recht lange braucht, habe ich deutlich unterschätzt und fast 3 Stunden lang Spätzle geschabt, mit vielen neugierigen Blicken zwischendurch. Pünktlich auf halb 11 war das Abendessen fertig, ich habe mich auch fast gar nicht stressen lassen, Zeit ist dort ja flexibel. Allein die Namen sorgten schon für Erheiterung und vor allem bei den Ugandern kamen die Flädle so gut an, dass sie auch ohne Suppe gegessen wurden. Schlussendlich freute ich mich natürlich sehr darüber, dass es allen so schmeckte.

Fazit:

Auch wenn mir im Voraus nicht klar war, was ich dort genau machen werde und ich dann auf einmal da war und schauen musste, wie ich klarkomme, war es nach dem ersten Ankommen und Reinkommen so viel besser als ich es mir hätte vorstellen können. Die Leute waren unfassbar herzlich und so großzügig. Die Natur dort hat mich fasziniert und ich habe es absolut genossen, jeden Tag in so einer wundervollen Umgebung aufstehen zu können.

Obwohl ich einfach nur ohne große Ahnung mein Versprechen an Gabriel halten wollte, um dort zu helfen wo immer ich konnte, habe ich erfahren, dass Gott bei mir war. Im Abstand von Zuhause und vom Alltag lernte ich es, auf Gott und andere Menschen angewiesen zu sein. Trotz dieser Abhängigkeit fühlte ich mich wunderbar geborgen und versorgt. Diese Erfahrung bleibt mir hoffentlich noch lange nach meiner Reise in Erinnerung.

Ich bin sehr froh, dass ich so viel Zeit dort verbringen durfte und wurde ermutigt wie groß und treu auch hier Gott zu seiner Gemeinde ist und sie zu ihm.

Dabei habe ich gelernt, dass ich nicht perfekt sein muss, sondern das reicht, was ich einbringen kann. Was mich über die ganze Zeit am meisten begleitet und gestärkt hat war das Lied:

Du bist mein Zufluchtsort. Ich berge mich in Deiner Hand, denn Du schützt mich, Herr. Wann immer mich Angst befällt, traue ich auf Dich. Ja, ich trau auf Dich, und ich sage: "Ich bin stark in der Kraft meines Herrn.“

Abschließend kann ich einen Einsatz dort nur wärmstens empfehlen. Die Erfahrung war herausfordernd, die Erlebnisse belohnend und das Hören auf Gott hat beides miteinander verbunden und nochmal verstärkt.

Bei Fragen gerne melden: silasmaerkt[at]gmail.com

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